Viele Projekte gehen von einer einfachen Annahme aus: Information führt zu Wissen und Wissen führt zu Handeln. In der Praxis funktioniert das selten. Menschen filtern Informationen durch ihre Erfahrungen, Werte und Gewohnheiten. Selbst wenn sie ein Problem verstehen und eine Lösung gut finden, heißt das noch lange nicht, dass sie ihr Verhalten ändern.
HumanFactor hat Werkzeuge entwickelt, um Menschen in Veränderungsprozesse einzubinden.
Der Kompass #1 hilft dabei, das Verhalten von Menschen zu verstehen – was hindert sie vielleicht an der Veränderung?
Oft denkt man an die Voraussetzungen durch das physische Umfeld und vergisst dabei andere Faktoren, die das Verhalten beeinflussen. Wer Mobilitätsangebote einführt, sollte daher auch auf die Fähigkeiten, das Wissen, soziale Umfeld und die Motivation der Menschen achten.
Ein zentrales Lernfeld des Trainings war die Frage, aus welcher Motivation heraus Menschen handeln:
Einiges tun wir, weil es gesetzlich vorgeschrieben ist – uns erwarten Sanktionen, wenn wir z.B. Verkehrsregeln missachten. Das erfordert aber klare Regeln und Kontrollen. Manchmal möchten wir etwas vermeiden, das uns schaden würde – wir haben Angst vor einem Risiko oder Verlust. Auch das ist kein guter Motivator.
Erfahrungen zeigen, dass Menschen oft handeln, wenn es Vorteile bringt: Gesundheit, Zeitersparnis, Komfort, finanzielle Vorteile oder ein positives soziales Image wirken oft stärker als abstrakte Klimaziele.
Wovon sich Nachhaltigkeitsprojekte verabschieden müssen: Nur wenige handeln aus persönlichen Idealen und Werten für den Klimaschutz. Dennoch kann man an die Werte anknüpfen, die Menschen wichtig sind – etwa Familie, Freiheit, Sicherheit oder Gemeinschaft. Trefft euch auf einer gemeinsamen Wertebasis, dann kommt ihr schneller ans Ziel.
Überlegt daher, warum Menschen so handeln: Weil sie es müssen? Weil sie Konsequenzen fürchten? Weil sie Vorteile sehen? Oder weil sie persönlich überzeugt sind und es ihren Idealen entspricht?
Die Diffusionstheorie hilft zu verstehen, dass es oft nur wenige Menschen für einen Wandel braucht. Zuerst probieren wenige Pioniere neue Lösungen aus. Danach folgen Vorreiter, die Vorteile erkennen oder Vorbilder sein möchten. Ist ein Trend sichtbar und es funktioniert, springt die frühe Mehrheit auf. Die späte Mehrheit kommt dazu, wenn das Verhalten bereits weit verbreitet ist. Und: Es gibt immer einige, die sich nicht überzeugen lassen und an alten Mustern festhalten.
Für Mobilitätsprojekte bedeutet das: Nicht alle Ressourcen in die Überzeugung der größten Kritiker investieren. Oft ist es wirksamer, die Menschen zu unterstützen, die bereits Interesse zeigen und andere mitziehen können.
Besonders interessiert waren die Teilnehmenden, was man bei Widerständen tun kann. Statt sie als Hindernis zu betrachten, versteht HumanFactor Widerstand als Botschaft.
Hinter Ablehnung steckt häufig ein unerfülltes Bedürfnis, eine Sorge oder eine Unsicherheit. Wer beispielsweise gegen eine neue Mobilitätsmaßnahme argumentiert, hat nicht unbedingt etwas gegen Nachhaltigkeit. Vielleicht fehlen Zeit, Budget, Sicherheit oder Vertrauen.
Der richtige Umgang:
Menschen wollen sich ernst genommen fühlen, bevor sie bereit sind, neue Wege auszuprobieren.
Ein weiteres zentrales Learning: Verhaltensänderungen sind keine kurzfristigen Projekte. Sie verlaufen in mehreren Phasen – vom ersten Problembewusstsein über Motivation und Ausprobieren bis hin zur dauerhaften Verankerung im Alltag. Dieser Prozess kann mehrere Jahre dauern.
Wer nachhaltige Mobilität fördern möchte, braucht daher Geduld. Informationen allein reichen nicht aus. Menschen benötigen Orientierung und Anleitung (wie mache ich das überhaupt?, Austausch (wie machen das andere?), Unterstützung (was tun, wenn etwas nicht gleich funktioniert?) und positive Erfahrungen.
Der zweite HumanFactor-Kompass richtet den Blick auf die Gestaltung von Prozessen. Erfolgreiche Veränderungen entstehen, wenn die richtigen Menschen eingebunden sind.
Einige Fragen sind:
Besonders wichtig ist transparente Kommunikation. Menschen möchten verstehen, warum Entscheidungen getroffen werden, wie sie entstanden sind und welche Überlegungen dahinterstehen. Wer erst kommuniziert, wenn alles fertig ist, riskiert Missverständnisse und Widerstände.
Nachhaltige Projekte brauchen vor allem Menschen, die die Veränderungen mittragen. Um erfolgreich zu sein, müssen Bedürfnisse, Motivation und Umfeld mitgedacht werden.
Hier gibt es weitere Infos zu HumanFactor.
NetWorkMob begleitet Betriebe, ihre Mobilität nachhaltig zu gestalten. Mit einem starken Netzwerk können Unternehmen voneinander lernen und die ersten Schritte setzen. Hier geht es zur Lern- und Austauschplattform mit Infos, Angeboten, Fragen und Antworten.
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